Umnutzung / Kreative Räume / Zwischennutzung
Was passiert mit Orten, deren erste Geschichte zu Ende erzählt ist? Früher lautete die Antwort oft: abschließen, warten, abreißen. Heute entsteht dazwischen immer häufiger etwas Neues.
Fast jede Stadt kennt sie: Gebäude, an denen man jahrelang vorbeigeht und sich fragt, was daraus eigentlich einmal werden soll. Früher war die Antwort oft ziemlich unspektakulär. Leerstand, Bauzaun, Stillstand.
Heute passiert vielerorts das Gegenteil. Die Zwischenzeit wird selbst zum Projekt.
Zwischennutzungen und Umnutzungen verwandeln alte Kaufhäuser, Industriebrachen, Paketposthallen oder sogar ausrangierte Schiffe in Orte für Kultur, Begegnung, Sport und Events. Und manchmal braucht es dafür nicht viel mehr als eine gute Idee, etwas Mut und die Bereitschaft, das Wort „fertig“ großzügig auszulegen.
Die Beispiele zeigen, wie vielfältig solche Räume heute funktionieren.

Die Marina Monaco bringt temporäres Hafen- und Urlaubsgefühl auf ein ehemaliges Industriegelände in München – mit Sand, See, Booten und Eventcharakter.
Der Buchberg im Alten Botanischen Garten zeigt, dass sogar ausrangierte Schlepplifte noch Karriere machen können. Aus ihrem Material entstand ein neuer Kiosk mit Biergarten mitten in München.
Die Alte Utting beweist, dass ein Ausflugsschiff nicht zwingend Wasser braucht. Heute liegt es auf einer ehemaligen Eisenbahnbrücke und gehört zu den ungewöhnlichsten Kulturorten Münchens.
Das Kunstlabor 2 in München macht aus einem ehemaligen Gesundheitshaus einen Ort für Ausstellungen, Ateliers, Workshops und kreative Experimente.
Der Pineapple Park verwandelt ein früheres Paketpost-Areal in München in einen temporären Treffpunkt für Sport, Kultur und Begegnung.
De Ceuvel in Amsterdam zeigt, wie aus einer alten Schiffswerft ein nachhaltiger Arbeits- und Begegnungsort für kreative Unternehmen werden kann.
Und Kalle Neukölln gibt einem ehemaligen Kaufhaus ein zweites Leben als Ort für Gastronomie, Kultur, Bildung und Nachbarschaft.

Auf den ersten Blick haben diese Projekte wenig gemeinsam. Auf den zweiten erzählen sie dieselbe Geschichte: Bestand ist kein Problem, sondern ein Ausgangspunkt.
Vielleicht liegt genau darin ihre besondere Anziehungskraft. Diese Orte sind nicht perfekt. Nicht fertig. Nicht bis ins letzte Detail durchgeplant. Und genau deshalb fühlen sie sich oft lebendiger an als manches Neubauquartier.
Für Kommunikation und Events steckt darin eine spannende Erkenntnis: Menschen suchen nicht nur Programme. Sie suchen Orte mit Charakter. Orte, die überraschen, Ecken und Kanten haben und Geschichten erzählen, bevor die Veranstaltung überhaupt begonnen hat.
Vielleicht sollten wir Zwischennutzungen deshalb nicht als Zwischenlösung betrachten. Sondern als Einladung, Räume neu zu denken. Denn manchmal entsteht das Spannendste genau dort, wo eigentlich gerade Pause sein sollte.
Die Beispiele zeigen, welches Potenzial in der Umnutzung bestehender Räume steckt – und wie solche Orte gleichzeitig dazu beitragen können, mehr Leben in die Städte zu bringen. Mit den Kreativ-Zentren haben wir uns bereits damit beschäftigt, wie kreative Nutzungskonzepte neue Impulse setzen, Begegnung ermöglichen und mehr Leben in die Stadt bringen können.