Botschaften kann man über die verschiedensten Wege und Medien verbreiten. Das weiß auch Mathias Köhler, besser bekannt als Loomit, ein deutscher Graffiti-Künstler, der inzwischen internationales Renommee genießt und dessen Kunstwerke auf der ganzen Welt zu finden sind.
Wir haben ihn gefragt, was die Kunstform Graffiti seiner Meinung nach auslöst und wie man diese spezielle Kunst für Events und für Kampagnen nutzen kann.


Was begeistert die Menschen deiner Meinung nach am meisten an Graffitis?
„Durch Graffiti kann eine Geschichte im öffentlichen Stadtbild erzählt werden. Graffitis entstehen spontan und sind ein Ausdruck des Zeitgeistes. Graffitis verändern Architektur und es entsteht eine neue Ästhetik, die die Menschen fasziniert. So werden Graffiti Walls gerne als Hintergrund für Selfies bzw. auch professionelle Fotoshootings genutzt. Menschen reisen extra in bestimmte Städte, um die schönsten Graffitis zu besichtigen und machen eine Art „Schnitzeljagd“ von einer besprayten Wand zur nächsten.“

Hast du ein Beispiel für eine Graffitiaktion in Bayern, die eine wichtige Botschaft vermittelt hat?
„Ja, das Denkmal für Georg Elser, den Widerstandskämpfer, der 1939 das Bomben-Attentat auf Adolf Hitler im Bürgerbräukeller verübt hat und dafür nach langer Haft 1945 im KZ Dachau ermordet wurde. Zu sehen ist das Graffiti-Denkmal in München an der Sparkassenfiliale in der Bayerstraße. Der Gedanke hinter diesem Kunstwerk war, mit dieser Kunstart ein weit sichtbares kulturelles Signal zu setzen und der Streetart damit eine große Öffentlichkeit zu geben. Verantwortlich für diese Graffiti-Aktion war die Münchner „tz“, der „Münchner Merkur“, die Stadtsparkasse München, „Magic City“ sowie eine Einrichtung des Kreisjugendrings.“

Was denkst du: Kann Graffiti im öffentlichen Raum Plakate ersetzen?
„Plakate sind nur von kurzer zeitlicher Dauer. Dafür einfacher zu vervielfältigen und schneller zu produzieren. Plakate gehören zum Stadtbild, ihre massenhafte Präsenz schafft einen eigenen Reiz.
Es besteht aber die Möglichkeit, eine Mischung aus Graffiti und Plakat herzustellen, indem man handgezeichnete Plakate einfach vervielfältigt.“

Graffiti ist ursprünglich ja keine legale Kunstform. Wie geht man damit am besten um?
Graffitis kann man auf verschiedene Weise legal platzieren. Die Graffiti-Szene ist weltweit vernetzt und tauscht sich über mögliche legale Plätze aus. In München kann zum Beispiel eine Fläche bei der Kultfabrik gemietet werden oder man bekommt Flächen in Zusammenarbeit mit dem Tiefbauamt zur Verfügung gestellt. Denkbar wäre beispielsweise auch, einen alten Bus zu besprayen, der dann durch die Stadt fährt.“

Wie kann Graffiti im Social Web stattfinden?
„Wie schon gesagt, bieten Graffiti-Wände einen beliebten Hintergrund für Selfies. Diese werden dann häufig über die Social-Media-Kanäle verbreitet. Viele Künstler leben auch davon, Abzüge ihrer Bilder über Instagram zu verkaufen.“

Befürwortest du die Entwicklung, dass sich Graffiti immer mehr kommerzialisiert?
„Viele Künstler – auch ich – leben von der Kommerzialisierung des Handwerks. Gerade in Städten wie München wird Graffiti als Kunstform geschätzt. Es zählt die Qualität und nicht die Quantität der Graffitis.“

Wie könnte deine Kunst innerhalb eines Events sinnvoll eingesetzt werden?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Zum einen kann man ein Kunstwerk vorbereiten und es dann im Beisein der Gäste fertigstellen. Oder man bindet die Gäste direkt mit ein, indem sie zum Beispiel Wörter an die Wand schreiben dürfen und diese dann als Objekte in das Gesamtbild eingearbeitet werden.“

Loomit hat jahrelange Erfahrung als Graffiti-Künstler. Wenn Sie in Zukunft bei einem Projekt gerne mal mit ihm zusammenarbeiten möchten, vermittelt die brandarena gerne den Kontakt und hilft bei der Umsetzung.

Besonders begeistert hat uns auch Irmela Mensah-Schramm. Die 73-jährige Dame aus Thüringen hat es sich seit mehr als 30 Jahren zur Aufgabe gemacht, antisemitische und rechtsradikale Kritzeleien auf Wänden und Mauern in positive Graffiti-Bilder umzuwandeln. Inzwischen hat sie auf diese Weise Tausende positive Zeichen gesetzt.

 

Auch die brandarena hat Erfahrungen mit Graffitis: Wir haben unter anderem bei dem Familienfest am 01. September für das Bayerische Familienministerium Kinder ihre eigenen Taschen gestalten lassen – Graffitikunst auf nachhaltigen Jutebeuteln.